Bauwerke

Wallfahrtskirche Maria Geburt

Die Wallfahrtskirche Maria Geburt in Nicov (Nitzau)

Die Lokalität und ihr Standort

Die Siedlung Nicov liegt zwei Kilometer östlich von Plánice. Das ursprünglich mittelalterliche Dorf wurde von der Hussitenarmee niedergebrannt und niemals mehr in diesem Umfang erneuert. In der Barockzeit wurde es zum Zentrum der Marienverehrung und ein Ziel der Pilgerprozessionen. Es befindet sich hier die wunderschöne barocke Wallfahrtskirche Maria Geburt, ein Werk K. I. Dientzenhofers (1717–1726). In deren Nachbarschaft wurde schon im 14. Jahrhundert an der Quelle mit Heilwasser eine Kapelle gebaut. Der Ruf über die wundertätige Macht des hiesigen Wassers führte immer mehr Pilger zum Brunnen, in dem angeblich die Jungfrau Maria erschienen war. Deren Aufschriften mit Bitten um Genesung aber auch mit Danksagungen bedecken die Wände der Kapelle. Die Heilwirkungen des Wassers wurden im 20. Jahrhundert aufgeklärt, als die hiesige Quelle als leicht radioaktiv befunden wurde.

Geschichte der Stadt Plánice (Planitz)

Die Entwicklung von Plánice, in dessen Gemeindegebiet Nicov liegt, war eng mit dem Kloster in Nepomuk, in dessen Besitz die Stadt war, verbunden. Dank der Nepomuker Zisterzienser wurde aus Plánice eine Stadt. Die erste schriftliche Erwähnung der Stadt Plánice stammt aus dem Jahr 1329. In diesem Jahr schlossen der Abt Heinrich und der ganze Konvent des Nepomuker Klosters mit Plánice eine Vereinbarung, laut der die Planitzer dem Kloster jährlich 44 Griwenka Prager Groschen anstatt aller anderen Abgaben außer dem Bischofszehnt und der Königssteuer abführten. Der unweit liegende Wald Boltín wurde der Gemeinde zur Nutzung überlassen. Plánice erlebt in dieser Zeit eine Periode rascher Entwicklung, bedeutend war vor allem die Metallgewinnung.

Auch Plánice wurden zahlreiche Brände nicht erspart (1672, 1689), denen Dutzende von Häusern zum Opfer fielen. Einen tragischen Einfluss auf das Stadtleben hatte die Rinderpest (1742). Als Ausdruck des Dankes für deren Ende wurde danach auf dem Marktplatz die Säule der Heiligen Dreifaltigkeit aufgestellt. Anfang des 18. Jahrhunderts gründete das Adelsgeschlecht von Martinitz in Plánice eine der ältesten Manufakturen für Baumwollgewebe. Diese brannte jedoch im Jahr 1746 aus. Eine negative Folge auf die vielversprechende Entwicklung des Städtchens hatte der Aufbau einer neuen Kaiserstraße (1811-1816) von Klatovy (Klattau) nach Horažďovice (Horaschdowitz), Strakonice (Strakonitz) und České Budějovice (Böhmisch Budweis). Ihre Trasse wurde fünf Kilometer südlich von der Stadt entlanggeführt, so dass sie aus dem Spiel blieb. Auch die Straße aus Plzeň (Pilsen) über Nepomuk nach Písek (Pisek) ging an Plánice vorbei, die Bahn führte auch nicht hin. In Folge dieser Änderungen baute man in dem Städtchen keine Fabriken und keine Anschlussbauten, was sich in dessen Entwicklung widerspiegelte.

Marianische Perle des Dietzenhofer Barocks in Nicov bei Plánice

Die Berühmtheit der Madonnenstatue mit Jesuskind aus Nicov bei Plánice, die wiederholt Bemühungen um ihre Zerstörung standhielt, wurde spätestens ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts übermittelt. Die zur Jungfrau Maria von Nicov kommenden Pilger wurden auch durch den Besuch der unweit liegenden Kapelle mit dem leicht radioaktiven Heilwasser motiviert. Am Ziel ihrer Pilgerreise waren sie entzückt von den faszinierenden Formen der Dientzenhoferischen Wallfahrtskirche.

Das Dorf mit der Kirche wird hier schon im 14. Jahrhundert erwähnt. Die Kirche ließ damals das Zisterzienserkloster bei Nepomuk, dem das Herrengut gehörte, bauen. Bei der Kirche wurde schon in dieser Zeit der Brunnen mit Heilwirkungen dokumentiert. Das Dorf und die Kirche wurden während der Hussitenkriege zerstört. Die neuen Besitzer des Herrenguts die Sternberger (Šternberkové) ließen die Kirche reparieren und beschafften für diese eine Gnadenstatue der Jungfrau Maria mit dem Jesuskind, das Dorf wurde jedoch nicht in der ursprünglichen Größe erneuert.

Erstaunliche Ereignisse um die gotische Statue der Jungfrau Maria von Nicov sollten sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ereignen. Im nachhinein berichten darüber die aus dem Jahr 1676 stammenden Pfarrrelationen. Die Hauptprotagonisten der Legende von Nicov waren die nichtkatholischen Mitglieder des Geschlechts von Sternberg, die Brüder Andreas (Ondřej), Ferdinand und Ladislav. Andreas versuchte um das Jahr 1580 dreimal die Statue auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen, die Jungfrau Maria blieb aber von den Flammen verschont. Danach befahl er seinen Untertanen die Statue mit der Axt zu zerstören, allerdings ist nicht einmal das gelungen. Laut den Gerüchten wurde Andreas nach diesen Ereignissen wahnsinnig. Die Statue wurde dann angeblich in einem Keller des Planitzer Schlosses liegen lassen, wo sie zufällig Andreas’ Bruder Ferdinand fand. Er versuchte sie ebenso ergebnislos zu verbrennen und auch er verlor nach diesem Ereignis den Verstand. Der dritte Bruder, Ladislav von Sternberg, ließ den Gerüchten zufolge die Jungfrau Maria von Nicov ins kaiserliche Militärlager bringen, wo sie ihm zum Sieg über die Türken verhelfen sollte. Trotzdem verkaufte sie Ladislav für Tausend Dukaten dem polnischen Adeligen Petr Turovský. Über ihn kam die Statue in die Hände von Maria von Spanien, der Witwe von dem Kaiser Maximilian II. und im Jahr 1622 wurde sie in der neu errichteten Franziskanerkirche in Wien aufgestellt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Kirche in Nicov wieder beschädigt, aber die Sage über die Jungfrau Maria von Nicov zog eine Menge Pilger an. Die Jungfrau Maria von Nicov war in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein untrennbarer Bestandteil der böhmischen Marienverehrung und es wurde ihr die 24. Kapelle des sog. Heiligen Wegs (Via Sancta) von Prag nach Mladá Boleslav (Altbunzlau) gewidmet. Von der Berühmtheit der Jungfrau Maria von Nicov und auch dem Wunderbrunnen mit „gutem Wasser“ zeugt auch die Erwähnung darüber in der Schrift Vestigium bohemiae piae von Albrecht Chanovský, die 1659 erschienen ist.

Dank dem wachsenden Pilgerandrang entschied sich der Eigentümer des Planitzer Herrenguts Adolf Bernard von Martinice (Martinitz) an der Stelle der ursprünglichen Kirche von Nicov einen groß angelegten Pilgertempel, geweiht der Geburt Marias, aufzubauen. 1720 wählte er als Projektanten den vielversprechenden dreißigjährigen Baumeister Kilian Ignatius Dientzenhofer, der damals seinen ersten Sakralbau realisierte – die Kirche des hl. Johannes von Nepomuk (Jan Nepomucký) auf dem Prager Hradschin (Hradčany). Der Bau der Kirche von Nicov verlief in den Jahren 1720–1727. Die Dauer des Baus und vor allem den astronomischen Preis von einer Million Gulden beeinflussten wahrscheinlich die technologischen mit dem sumpfigen Terrain verbundenen Komplikationen, die eine Durchführung des Baus auf einem Pfahlfundament aus Eichenholz ferorderten. Am Sonntag, den 17. September 1730, wurde die Kirche feierlich von dem Letmeritzer (litoměřický) Bischof Jan Adam Vratislav von Mitrovice eingeweiht.

Die Investition in den genialen Anfängerarchitekten lohnte sich für den Grafen von Martinice. In Nicov entstand einer der bedeutendsten Sakralbauten der Dientzenhoferischen Frühzeit, der im Stil, der als das dynamische (radikale) Barock bezeichnet wurde, projektiert war. Die ungewöhnlicherweise in Richtung Süden (nach Rom) situierte Kirche wurde auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes, das die Längsachse betont, gebaut. Im Innenraum dominiert der 12 Meter hohe Zentralraum mit Grundriss eines abgeschrägten Quadrats, der in eine runde, 24 Meter hohe Kuppel mündet, die mit acht ovalen Fenstern und mit Luzernen beendeten Lünetten belichtet ist. Die Balustraden des Orgelchors und über dem Oratorium sind gewellt und tragen zu der Wirkungskraft des Interieurs bei. Einen ähnlichen Eindruck erweckt auch das Exterieur des Baus. Dieses dominiert die ausdrucksvolle zweitürmige Vorderseite, die mit einem markanten konkaven mittleren Risalit mit einem Hauptportal mit dem Wappen der Adelsgeschlechter Martinitz und Dietrichstein, datiert im Jahr 1720, versehen ist. Gebogen sind auch die Seitenwände der Kirche, die zwei Seitenkapellen und das Presbyterium umschließen. Den ganzheitlichen Eindruck des Baus bilden auch ein Paar Türme mit barocken Kuppeln und der über das Dach emporgehobene großzügig konzipierte Tambour mit ovalen Fenstern, der von einer achtkantigen barocken Luzerne mit Kuppel abgeschlossen wird.

Der Hauptaltar wurde mit zwei Engeln ausgestattet, die einen roten Baldachin mit einer goldenen Einfassung trugen. Dieser blieb nicht bis heute erhalten. Über dem Holzaltar mit zwei spiralförmigen Säulen war ein Schrank mit der Jungfrau Maria von Nicov aufgehängt, eine Kopie der ursprünglichen in Wien aufbewahrten und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gefertigten Statue. Die Altäre in den beiden Seitenkapellen sind dem Hl. Wenzel (rechts) und dem Hl. Simon (links) geweiht. Aus dem 18. Jahrhundert stammt auch die andere Einrichtung der Kirche, vor allem die Kanzel und das Zinntaufbecken (1787). Im Jahr 1754 wurde für die Kirche eine vom Prager Glockengießer František Frank gegossene Glocke angeschafft. Aus dem 18. Jahrhundert stammt auch das hinter dem Kirchenpresbyterium gebaute achtseitige Knochenhaus. Der Bau ist mit Wandpilaster versehen und Licht kommt durch drei barocke ovale Fenster hinein.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde das Interieur der Kirche nur wenig verändert – im Jahre 1841 wurden die Bilder des heiligen Wenzel (sv. Václav) und des heiligen Simon (sv. Šimon) vom Strakonitzer Maler Antonín Celerýn gekauft. 1870 beschädigte ein Sturm die Kirche, der beide Türme heruntergestürzt hat. Die pyramidenförmigen Dächer auf den barocken Dachstühlen beeinträchtigten den reinen Stil des Kirchenexterieurs. Im 20. Jahrhunderts wurden sie wieder durch barocke Kuppeln ersetzt. Die umfangreichen Reparaturen der Kirche führte P. Antonin Šesták durch, in den Jahren 1959–1980 Pfarrer in Nicov. Die letzte Reparatur des Kirchenexterieurs wurde in den vergangenen Jahren durchgeführt.

Der barocke Alltag in der Umgebung des Objekts

Um die Kirche in Nicov entstand keine Architektur, die den Pilgern irgendwelche Bequemlichkeiten gesichert hätte, was bestimmt den hiesigen Pilgerverkehr komplizierte. Es ist merkwürdig, dass das Dorf trotz der Berühmtheit des Ortes nicht in mittelalterlichem Umfang erneuert wurde. Eine gewisse Basis boten den Pilgern einige Bauten neben der Kirche, meistens musste man aber eine Zuflucht in dem unweit liegenden Dorf Plánice suchen. Die Wallfahrten nach Nicov fanden hier an Samstagen und vor allem an den marianischen Festtagen statt. Die meisten Pilger kamen am 25. März, am Tag der Verkündigung des Herrn (Mariä Verkündigung) und am 8. September, zum Fest der Mariä Geburt, wenn die hiesige Kirche das Patrozinium feierte, nach Nicov.

Touristische Verwendung heute

Westlich von Nicov, in der Nähe der Straße Richtung Plánice, befindet sich die Kapelle der Jungfrau Maria über der wundertätigen Quelle, die an der radioaktiven und mit Legenden umwobenen Quelle gebaut wurde. In der Nähe befindet sich auch eine Reihe kleiner Sakralsehenswürdigkeiten, wie Kapellen, Passionssäulen und Sühnekreuze. Ihre Anwesenheit formt die spezifische und einzigartige Atmosphäre des Ortes nach.

Plánice ist heute ein gutes Beispiel eines kleinen, ein bisschen verschlafenen Städtchens im Böhmerwalder Vorland. Auf dem weitläufigen Marktplatz ist die historisch wertvolle, aus verschiedenen Materialien bestehende, unterschiedlich alte Pflasterung erhalten geblieben. Den Planitzer Marktplatz dominiert das Rathausgebäude im Empirestil aus dem Jahr 1753. Außerdem blieb in Plánice auch das Schloss, die Kirche des heiligen Blasius (manche Quellen berichten, dass sich an dem Bau auch Kilian Ignatius Dientzenhofer beteiligte) und eine Reihe weiterer Bauten erhalten. In einem kleinen Planitzer Bauernhaus (Nr. 86), das ein klassisches Beispiel der Böhmerwalder Volksarchitektur ist, wurde 1847 der bedeutende böhmische Erfinder František Křižík geboren. In dem Bauernhaus ist das Museum František Křižík mit einer neuen Exposition. Diese bemüht sich die Besucher in einer interessanten Form und mithilfe der modernen Technik anzusprechen. Unter anderem lockt es die Besucher an eine funktionierende Bogenlampe und Dynamo heran. Plánice ist auch der Geburtsort des anerkannten Musikforschers und Komponisten Vladimir Helfert.